Bundesfeier in Weisslingen: Unabhängigkeit, Freiheit und Mitbestimmung

Bilder und die Rede als Download finden Sie in diesem Beitrag: Anpsrache zum 1. August.

Die offizielle Wisliger Bundesfeier am 1. August fand wie immer in Neschwil statt.

Das Programm war traditionell ausgerichtet: Alphornklänge zu Beginn (Alphornduo Breitenstein, Vreni und Hanspeter Metzger), vorgezogene Festrede (Kantonsrat Professor Dr. Hans-Ueli Vogt, Kandidat der Zürcher SVP bei den kommenden Ständeratswahlen), Schwyzerörgelimusik (Bachtelspatzen Hinwil, Silvia und Fritz Kamm, verstärkt durch Sylvia Gossweiler aus Dübendorf), Höhenfeuer und Feuerwerk auf dem Eggbühl.

Wegen Bau- und Strassenarbeiten rund um die Neschwiler Feuerwehr-Remise und, bedingt durch die unsichere Wetterprognose, konnte der schon seit vielen Jahren amtierende Wisliger «Mister Bundesfeier», der Neschwiler René Werren, aber nicht auf die bewährten Festplätze (Eggbühl und Wiese hinter der Remise) zurückgreifen. Dank Monika und Heiri Heller, meinte Werren in seiner Begrüssungsrede vor gut besetzten Bänken, hätte man aber auf dem Vor- und Parkplatz des Restaurants Freihof Asyl gefunden und könne bei Regen sogar ins Restaurant flüchten.

Gastrecht beim Freihof

Innert kurzer Zeit hatten nämlich Werren und seine Helfer vor dem Freihof die Infrastruktur mit Festwirtschaft, Tischen und Bänken, Leiterwagen als Podium sowie die Tellschuss-Bar des SVP-Nachwuchses aufgebaut. Die Tellschuss-Bar übrigens, bei der man mit einer Mini-Armbrust den Apfel vom Kopf des Tellensohns «Walterli» schiessen konnte, wurde erst nach dem Feuerwerk so richtig stark «besucht».

Trotz wiederum einfachem Programm kamen wie gewohnt die Wisliger in grosser Zahl zu ihrer Feier, zum Teil verspätet zwar, weil in einem Teil der Tagespresse falsche Zeitangaben standen oder weil sie schon auf das Eggbühl pilgerten, um dort der vermeintlichen Feier beizuwohnen. Auf dem Eggbühl jedoch standen nur das Höhenfeuer zum Anzünden parat und die Abschussvorrichtungen für das Feuerwerk.

Heimspiel

Auch Festredner Dr. Hans-Ueli Vogt, Professor für Wirtschaftsrecht an der Uni Zürich und in Zürich wohnhaft, brachte eine starke familiäre Endourance aus dem Oberland mit, denn er ist in Illnau aufgewachsen und sein Vater Hans, der ehemalige Notar in Illnau, in der Theiliger Schwemmrüti. Zudem hätte er mit der Familie Huber-Vogt in Dettenried noch weitere Verwandtschaft in unserer Gemeinde und das sei doch für den Redner wie ein Heimspiel, meinte Werren.

Sogar ein Ehepaar Lorent aus Sankt Veit in Belgien wohnte der Feier bei und zeigte sich begeistert über dieses Schweizer Nationalfest. Es sind die Schwiegereltern von Stephan Bolliger, Sohn des Ex-Gemeindepräsidenten Rudolf Bolliger. Das Ehepaar aus dem deutschsprachigen Osten in Belgien fand auch die Festrede des Professors Vogt sehr interessant.

Auszug aus der Festrede

Vogt thematisierte die Unabhängigkeit des Schweizer Volkes. Schon im Bundesbrief von 1291, also anfangs August vor 724 Jahren, als die Landsgemeinden von Uri, Schwyz und Nidwalden einander versprachen, sich weiterhin und auf alle Ewigkeit gegenseitig Beistand zu leisten, sei ein Bekenntnis zur Selbstbestimmung und Abgrenzung enthalten, welches bis heute die Schweizer Geschichte präge. Die Entstehung der Schweiz sei eine lange, wechselvolle Geschichte und erst seit dem 19. Jahrhundert hätte man dem Bundesbrief von 1291 eine grössere Beachtung geschenkt.

Es geht uns gut

Heute gehe es uns in der Schweiz gut. «Zuerst einmal, weil wir in Frieden leben. Das darf man durchaus betonen, nachdem an den Grenzen Europas Kriege im Gang sind. Unsere Grossmachtpläne haben wir vor 500 Jahren in Marignano begraben, und seit über 200 Jahren ist unser Territorium von keiner anderen Macht mehr versehrt worden.

Zweitens: Wir leben in Wohlstand. Wir haben eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Die Schweizer Städte gehören zu den Städten mit der weltweit höchsten Lebensqualität. Wir gehören zu den Ländern mit der tiefsten Arbeitslosenquote. Wir sind die Weltmarktführer bei den Innovationen. Kein Land hat mehr Nobelpreisträger pro Kopf als wir. Und wir haben hervorragende Infrastrukturen und ein ausgezeichnetes Gesundheits- und Bildungssystem.

Drittens geht es uns gut, weil die Menschen bei uns politisch mitbestimmen können. Das macht sie glücklich. Auf der Weltkarte des Glücks sind die Schweizer die zweitglücklichsten Menschen – nur die Dänen sind noch glücklicher. Aus der Glücksforschung weiss man, dass politische Mitbestimmung die Menschen glücklich macht.»

Unabhängig bleiben

Die Wahrung der Unabhängigkeit sei das Leitmotiv der Schweizer Geschichte. «Keine gemeinsame Sprache, keine gemeinsame Kultur, keine gemeinsame Religion, keine natürlichen Grenzen, und in verschiedenen Kriegen sind die Söldner der einzelnen Kantonen einander gegenübergestanden – aber eines verband unsere Vorfahren in den verschiedenen Ständen immer: lieber zusammenstehen, trotz aller Unterschiede, als die Unabhängigkeit aufgeben.»

Geographisch, kulturell und auch religionsgeschichtlich seien wir natürlich mit den anderen europäischen Staaten und ihrer Geschichte verbunden. Im Selbstverständnis als unabhängiger Staat hätten wir uns die allermeiste Zeit von den europäischen Staaten aber unterschieden und dank der Unabhängigkeit könnten wir alle Vorteile, die ein Kleinstaat hat, nutzen. Es gehe deshalb auch darum, weiterhin für einen unabhängigen Kleinstaat einzutreten.

«Unabhängig zu sein, heisst nicht, sich abzuschotten, sich zu isolieren. Wir sind ein weltoffenes Land, wir müssen eines sein, weil wir ein Kleinstaat sind. Und wir sind eine offene Gemeinschaft, schon weil wir nicht eine Nation mit einer einzigen Kultur, einer einzigen Religion und einer einzigen Sprache sind. Die Offenheit ist in den Genen der Eidgenossenschaft drin. Aber offen sein heisst nicht, sich einem Kaiserreich oder einer internationalen Organisation anzuschliessen. Wir pflegen den Austausch mit unseren Nachbarn, aber am Abend gehen wir in unser Haus zurück und schliessen die Türe ab.»

Mitbestimmung der Bürger

Als weitere Gründe, warum es der Schweiz an ihrem 724 Geburtstag gut gehe, gibt Vogt das Selbstverständnis als Gemeinschaft von Bürgern und Kantonen, als Genossenschaft, eben als Eidgenossenschaft an und dass hier die Bürger das Sagen haben.

«Die Mitbestimmung der Bürger hat der Schweiz sehr viel Gutes gebracht – und ich sage das, obwohl ich nicht über alle Volksentscheide der letzten Jahre glücklich bin. Die Bürger sind sparsam und haushälterisch, anders als die meisten Politiker. Sie geben das Geld nicht mit beiden Händen aus, sie wollen nicht freiwillig sechs Wochen Ferien, sie wollen nicht freiwillig höhere Verbilligungen von Krankenkassenprämien.

Die Bürger korrigieren gesellschaftliche Fehlentwicklungen und wehren sich, wenn sie finden, die Politiker würden ein Problem nicht genügend beachten oder falsch einschätzen. Die Bürger denken – viel mehr als Politiker und Behörden – an unsere Kinder und Grosskinder. Sie merken, wenn etwas aus dem Ruder läuft, wenn wir Dinge tun, die wir gegenüber unseren Kindern nicht verantworten können, wenn wir masslos werden.»

Schlusswort

Unseren Vorfahren, die unsere Unabhängigkeit verteidigt, die Freiheit der Bürger gegenüber dem Staat verteidigt und auf die Mitbestimmung der Bürger beharrten, würden wir unseren Wohlstand, unseren Frieden und das Glück der Menschen in unserem Land verdanken, meinte Vogt zum Schluss seiner ausführlichen und interessanten Rede.

«Unseren Nachkommen schulden wir, dass auch wir für ihren Wohlstand, Frieden und ihr Glück einstehen. Wir können, wir dürfen darum gar nicht anders, als uns auch im 725. Lebensjahr der schweizerischen Eidgenossenschaft für Unabhängigkeit, Freiheit und Mitbestimmung einzusetzen. Das ist unsere Pflicht.»

Bilder und die Rede als Download finden Sie in diesem Beitrag: Anpsrache zum 1. August.

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